Es drehte sich alles um kleine bunte Papierzettel. Sie waren zwar an sich völlig nutzlos, doch konnte man sie glücklicherweise gegen alles eintauschen, was man brauchte. Nun stellte sich heraus, daß einige mehr dieser bedruckten Papierzettel besaßen als andere, obwohl auch sie sie nur eintauschen konnten gegen die Dinge, die man so braucht. Damit man aber keine übrig behielt (weil ja keiner mehr braucht als er braucht und dann nicht mehr hätte tauschen können) und sie nicht nutzlos wurden, fand man Dinge, die man zwar nicht brauchte, gegen die man aber die Zettel trotzdem eintauschen konnte. Da jedoch auch jenen, die über viele Zettel verfügten, nur ein begrenzter Speicherraum zur Verfügung stand, fand man eine noch bessere Variante: Man änderte den Tauschkurs, so daß man sich mit einem einzigen Tausch nun viel mehr Zettel entledigen konnte als früher. Dies stieß bei denjenigen, die weniger Zettel ihr eigen nannten, auf scharfe Kritik, weil sie plötzlich für ihre wenigen Zettel nicht mehr alles bekamen, was sie zum Leben brauchten. Um allen Ansprüchen gerecht zu werden einigte man sich darauf, viele tauschbare Sachen in verschiedenen Varianten herzustellen, die man zu unterschiedlichen Tauschkursen bekam und die sich durch Aussehen oder Größe dem einen oder dem anderen Kurs zugehörig zeigten. Es schien, als seien nun alle zufrieden: Jeder konnte seine Zettel eintauschen und hatte je nach Menge seiner Zettel einen ihm angemessenen
Kurs, der es ihm ermöglichte, nicht auf den nutzlosen Zetteln sitzenzubleiben. Unvorhergesehen gab es jedoch einige, die sich schwertaten mit den neuen Kursen und Regeln und schlecht oder falsch tauschten, wodurch sie dennoch in die Lage gerieten, für ihre Zettel nicht mehr alles Nötige zu bekommen. Ein Weilchen ging dies gut, aber als dieses Problem vermehrt auftrat und sich in weiten Teilen der Gesellschaft etablierte, begannen einige sich Ge
danken über Verbesserungen der Tauschidee und der Kurse zu machen. Ein zunächst recht vielversprechender Vorschlag sah beispielsweise einen sogenannten Nulltausch vor, bei dem sich bereitwillige Zettelsuchende ohne Gegentausch zur Abnahme von Zetteln bei denjenigen bereit finden sollten, die Mühe hatten, genügend hohe Kurse für ihre Zettel zu finden. Natürlich rechnete man von Anfang an damit, daß es Probleme geben würde: Wer würde schon gerne einen Zettel annehmen, ohne dabei angemessen zu tauschen? Überraschenderweise lagen die Schwierigkeiten aber bei der anderen Seite: Sie hatte mittlerweile Ehrgeiz entwickelt und einen gewissen Sport daraus gemacht, immer neue Rekordkurse für immer weniger notwendige Dinge zu erzielen und wollte die Hilfe derjenigen, die zum Nulltausch bereit waren, nicht annehmen. Einigen dieser Freiwilligen gelang es, durch eigene Anstrengung manche der Zettelbesitzer zu überzeugen oder mit glücklichem oder geschickten Tauschen wieder in gesicherte Verhältnisse zu kommen. Unübersehbar jedoch hatte sich die Gesellschaft ohne Not in zwei Hälften geteilt: Die Unglücklichen, die glücklich waren, wenn sie mit ihren wenigen, verbliebenen Zetteln frisches Brot mit Milch und wildem Honig ertauschen und unbehelligt sich auf einer Sommerwiese lagern konnten, und die Glücklichen, die unglücklich waren, weil sie zwischen all ihren zum Höchstkurs getauschten Dingen nicht wußten, wie und wofür sie die Heerscharen ihrer übrigen Zettel noch eintauschen könnten. |
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